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Mein Leben als Armbrustschütze

Franz Grieshofer 1902 – 1984

Franz Grieshofer

Franz Grieshofer

Ende 1981 hat Oberschützenmeister und Mentor der Salzkammergut-Schützenvereine Franz Grieshofer sein Leben mit eigener Feder zusammengefaßt. Hier im Originaltext wiedergegeben:

Ich wurde bereits mit 6 Jahren, also im Jahre 1908, als Zielerbeim Armbrustschützenverein Sulzbach eingesetzt. Ein Zieler hat die Aufgabe, jeweils den vom Schützen abgegebenen Schuss aufzuzeigen und sodann den Bolzen wieder zum Schützen mit einer Vorrichtung zurückzuschicken. Hat der Schütze einen guten Schuss abgegeben, so wirft der Zieler, der selbst ein rot-weißes Gewand trägt, seine Kappe in die Luft, macht einen Purzelbaum und juchitzt dazu. Dieser Vorgang wird vom Schützen mit einem kleinen Trinkgeld belohnt.

Später trat ich dem 1. Ischler Armbrustschützenverein Rettenbach in Branndenberg bei. Auf diese Zeit kann ich mich noch gut erinnern, weil damals jährlich ein Kaiserschießen durchgeführt wurde. Die Armbrustschützen bekamen vom Kaiser je 1 Golddukaten und die Scheiben- oder Feuerschützen 2 Golddukaten.

Es bestand und besteht auch heute noch zwischen den Armbrust- und Feuerschützen eine gewisse Rivalität beziehungsweise Distanzierung infolge der gesellschaftlichen Zusammensetzung dieser Schützenverbände. Die Armbrustschützen wurden von Holzknechten, Berg-, Salinen und anderen Arbeitern gestellt, während sich die Feuerschützen aus den Bürgern und Bauern Bad Ischls rekrutierten. Die kaiserlichen Hoheiten besuchten aber lieber die Armbrustschützenvereine, weil es dort lustiger war und viel gesungen und gepascht wurde. Einmal war auch Erzherzog Salvator mit seinen Söhnen bei den Armbrustschützen in Branndenberg. Schützenmeister Sepp Sams spannte dem hohen Gast die Armbrust und sagte nachher „der Herr schießt aber gut“. Scheinbar war es aber nur ein Zufallstreffer, weil unser Gast dann meistens viel schlechter schoss, was Schützenmeister Sams veranlasste zu sagen „leck mi am Arsch, er feult (fehlt) eh alls“.

Mit 16 Jahren wurde ich Armbrustschütze in Rettenbach. Laut Reglement musste man nämlich das 16. Lebensjahr erreicht haben, um als Schütze aufgenommen werden zu können. Im Jahre 1934 wurde ich in unserem Schützenverein Schriftführer und 1952 zum Oberschützenmeister bestellt. Diesen Titel führe ich heute noch. Sowohl im 1. wie auch im 2. Weltkrieg sind viele Armbrustschützen gefallen. Wir konnten nach dem 2. Weltkrieg nurmit 8 Mann in der Schießstätte Hubhanslau die Schützentätigkeit wieder aufnehmen. Jährlich wurden größere Freischießen organisiert, sodass auch der Nachwuchs an Jungschützen nicht auf sich warten ließ. Heute können wir mit Freude feststellen, dass 29 Schützen im Stand stehen. Im Jahre 1975 haben die Rettenbacher Schützen eine neue Armbrustschützen-schießstätte gebaut, die allgemein als die schönste Schießstätte gilt. Ich hab selbst am Bau tatkräftig mitgearbeitet, aber in erster Linie dafür gesorgt, dass die Finanzierung sichergestellt wurde. Bei dieser Gelegenheit möchte ich namens des Vereines für die hochherzige Unterstützung der oö.Landesregierung, insbesondere dem Herrn LHStv. Possart, der Stadtgemeinde Bad Ischl, der Sparkasse Bad Ischl und der Bevölkerung, die auch finanziell dazu beigetragen hat, dass der 1. Ischler Armbrustschützenverein Rettenbach schuldenfrei dasteht, danken.

Nächstes Jahr, also 1982, wird der Armbrustschützenverein 110 Jahre alt und werden wir dieses Jubiläum in einem würdigen Rahmen feiern. 1932 wurde der Verband der Armbrustschützen Salzkammergut in Gmunden gegründet. Damals gehörten dem Verband 6 Vereine an. 1934 wurde ich Verbandsschriftführer und 1950 Oberschützenmeister der Armbrustschützen Österreichs. Durch meine Tätigkeit und meinen persönlichen Einsatz sind nunmehr 17 Armbrustschützenvereine dem Verband angegliedert worden. 1974 wurde ich Ehrenoberschützenmeister der Armbrustschützenvereine Österreichs. Bemerken möchte ich aber auch, dass wir mit mancherlei Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. So bekam ich im Jahre 1939 vom Reichssportführer ein Schreiben, dass ich das Verbandsbuch nach Berlin zu schicken und eine Armbrustschützenversammlung einzuberufen habe. Zu dieser Versammlung, die im Hotel Bayrischer Hof in Bad Ischl abgehalten wurde, erschien der Reichssportführer persönlich und verlangte, dass die Armbrustschützen-vereine aufgelöst und nur mehr Kleinkaliberschiessen dürfen. Kurze Zeit später erhielt ich ein neuerliches Schreiben mit der Aufforderung, das die „Eintöndelei“ (wörtlich) aufzuhören habe, weil ansonsten die Gestapo die Vereine auflösen werde. Auf meine Eingabe, dass das Armbrustschiessen im Brauchtum verankert und bereits jahrhundertelang im Salzkammergut betrieben wird, erhielt ich die Order, mit einer Armbrust bei der Heereskommandatur in Gmunden zu erscheinen und die „Waffe“ begutachten zu lassen. Auch bei dieser Vorführung verwies ich wiederum auf die mit dem Armbrustschiessen verbundene Tradition. Dies hatte zur Folge, dass keine Beanstandungmehr erfolgte und dass das Armbrustschiessen weiterhin ausgeübt werden konnte.

Als Oberschützenmeister habe ich jährlich die großen Verbandsschiessenorganisiert, aber auch internationale Wettkämpfe, wie Schweiz – Österreich, Deutschland – Österreich, durchgeführt. Den grössten Erfolg konnte der Armbrustschützenverein Salzkammergut in Gubbio (Italien) verzeichnen. Dort haben wir sogar die Schweizer Schützen um einen Kreis geschlagen. Von diesem Schiessen brachten wir im Jahre 1955 den Wanderpreis nachhause. Auch in Bad Ischl organisierte ich ein Freischiessen Schweiz – Österreich, das dann allerdings zugunsten der Schweiz endete. Der Höhepunkt meines Schützendaseins war aber der 29. Juni 1981. An diesem Tage überreichte mir Herr LandeshauptmannDr. Ratzenböck im Beisein des Ischler Bürgermeisters Karl Saller im Linzer Landhaus das Dekret über meine Ernennung zum Konsulent der oö. Landesregierung. Diese große Ehrung verdanke ich aber nicht nur meiner Leistung und Tätigkeit für die Armbrustschützenvereine, sondern muss ich mich auch an dieser Stelle für die Mithilfe meiner Schützenkameraden und insbesondere für das grosse Verständnis meiner Frau bedanken, weil ich viel meiner Freizeit dem Armbrustschiessen geopfert habe.